Reisebericht Albanien

Albanien Ostern 2012
Eine Reise zu den Gegensätzlichkeiten
oder
Mit der Anhängerkupplung auf dem Dach durch Albanien
oder
4.000 km mit dem Anhänger durch 7 Länder
 

In Vorbereitung unserer Albanienreise haben wir, wie jedes Jahr, Kontakt zum CHW aufgenommen, der seit 25 Jahren die Albanienhilfe organisiert. Unsere simple Frage:
„Können wir in irgendeiner Form helfen.“
Die Antwort von Pastor Frieder Weinhold lautete: „Ich habe hier einen Anhänger mit 2 to Kleidung stehen, den ihr mit nach Albanien nehmen könnt. Nardi weiß Bescheid. Ihr müsst die Ladung nur in Poptisht beim Bürgermeister abgeben. Die Zollpapiere bereite ich vor.“ Okay.
So machten wir uns mit dem Doppelachs-Anhänger auf den Weg gen Süden.
Hinter Innsbruck haben wir unsere Reisefreunde getroffen und haben gemeinsam in Mantua (Romeo und Julia) übernachtet.

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Mit der Fähre nach Albanien

Am nächsten Mittag standen wir in Ancona an der Fähre und hatten gleich doppelten „Spaß“. Der Verlademeister hat Claus mit dem 2 to Anhänger über eine steile Rampe nach untern geschickt. Als der zuständige Deckmeister bemerkte, dass es sich um einen schwer beladenen Anhänger handelte bekam er einen Anfall. Wie wir am nächsten Morgen den Anhänger wieder zur Ausfahrt hoch bekommen würden, wussten zu diesem Zeitpunkt weder er noch Claus. Als letztes, wirklich allerletztes Fahrzeug, kam Thomas S. an Bord, denn er hatte (vermutlich Buchungsfehler) ein Ticket fürs Camperdeck und gleichzeitig Kabine, was ja eigentlich irrsinnig ist.
Am nächsten Morgen gab es nur eine Möglichkeit. Untersetzung, 2. Gang und das rechte Pedal betätigen. Fahrer und Auto haben die Situation bereinigt.
Vom Hafen Igoumenitsa hatten wir dann eine ruhige Fahrt über die gut ausgebaute griechische Autobahn, bis wir zur Grenze kamen. Der griechische Zoll warf nur einen kurzen Blick auf den Anhänger und auf die Papiere. Auf albanischer Seite ging das Fahrzeug erst auf die Waage und wurde dann verplombt. Während wir einen gemütlichen Abend in dem First Class Hotel in Pogradez hatten, hat sich unser Freund und Scout „Landi“ um die weitere Zollabwicklung gekümmert. Nach einem Einkaufsbummel in den Markthallen mit all seinen kuriosen Angeboten und wechselnden Gerüchen, sind wir dann im kleinen Konvoi (voran der alte MB 190 (Dienstwagen vom Bürgermeister) in die Bergregion aufgebrochen.

Straßen - Pisten Albanien

Es dauerte nicht lange, da hatten wir nur noch Schotter und Schlaglöcher unter unseren Reifen. In der kleinen Gemeinde Poptisht (geteerte Straßen gibt es dort nicht) wurden wir schon mit Freude erwartet. Nach dem Ausladen wurden wir vom Bürgermeister ins Rathaus eingeladen. Dieses Gebäude muss man sich nicht wie ein hiesiges Rathaus vorstellen, sondern eher wie einen Sozialbau aus den 50er Jahren mit einem Mobiliar aus den 60ern. Nachdem der Bürgermeister uns seinen Dank ausgesprochen hatte, wurden wir von ihm zum Kaffee eingeladen. Auch das geschieht nicht wie bei uns, indem die Sekretärin einen Kaffee im Sitzungszimmer serviert, sondern wir sind über die staubige Straße in ein sogenanntes „Cafe“ gegangen. Auch das Cafe entspricht natürlich nicht den Vorstellungen, wie man sie von einem deutschen Cafe hat. Ein quadratischer Betonkasten, unverputzt, und mit einfacher Einrichtung. Das alles haben wir aber nicht negativ, sondern als ein Erlebnis empfunden. Und dann kam es zur Meinungsverschiedenheit zwischen Claus und dem Bürgermeister und vermutlich zu einem Übermittlungssystem nach „Ganz oben“.
Der Bürgermeister wünschte sich für den Ackerbau dringend Regen, während Claus gefordert hat, dass der Regen erst in 10 Tagen kommen soll. Der liebe Gott hat das wohl falsch verstanden und hat statt nach 10 Tagen gleich 10 Tage lang den Regen geschickt. Irgendwie dumm gelaufen.
Vor uns lagen jetzt noch 1 ½ Stunden Fahrt auf übelster Piste mit grandioser Aussicht auf die Landschaft. Dann haben wir (man kann sich gar nicht vorstellen, dass es in dieser entlegenen Gegend noch Dörfer gibt) den Ort Bishnica erreicht, in dem der CHW, im Rahmen seiner Hilfsaktionen eine Unterkunft für Schulkinder betreibt.

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Dort angekommen war klar, dass diese Strecken mit der tiefliegenden, verstellbaren Anhängekupplung, nicht fahrbar war. Mit 24er Maul und 22er Knarre bewaffnet hatte Claus nach einer halben Stunde die Anhängerkupplung demontiert und oben auf dem Dachgepäckträger fest verzurrt. (Siehe Titelzeile)
Im Internat wurden wir mit einem freundlichen „Miredita“ begrüßt. Das Essen, das uns die Frauen zubereitet haben war lecker und unsere Zimmer einfach, aber sauber. Es wurde ein gemütlicher Abend, bei dem wir unseren ersten Raki mit den einheimischen Freunden trinken konnten.
Noch weiter in den Bergen liegt das kleine Dorf Jolle in dem immer noch 8 Familien leben. Wir machten uns auf den Weg und standen ½ Std. später vor einem Erdabrutsch, der uns den Weg versperrte. Aber so schnell wollten wir nicht aufgeben. Die großen Steine wurden von der Fahrbahn gerollt und dann wurde geschaufelt. Die Schräglage über dieses Geröllfeld war zwar nicht extrem, aber die Tatsache, dass es 30 cm neben den linken Reifen etwa 200 m in die Tiefe ging, machte doch ein mulmiges Gefühl im Magen. Unsere Fahrt dauerte dann nur noch 10 Min., als ein riesiger Felsbrocken uns die Weiterfahrt endgültig versperrte.
Die Ortschaft Jolle war, seit dieser Felsbrocken die Fahrbahn blockierte nur noch zu Fuß und mit Esel zu erreichen. Ein vorsichtiges Wendemanöver auf der schmalen Piste und dann war unser Ziel ein hoch oben gelegener Bergsee. Aber auch hier mussten wir erst mal ein Hindernis bewältigen. Dieses Mal in Form eines verharschten Schneefeldes. Jetzt musste der „G“, ausgerüstet mit MT-Reifen und 2 Sperren, zeigen was er kann. Er hat uns eine Spur in den pappigen Schnee gefräst, sodass auch der Wrangler und der Disco ohne Probleme durchgekommen sind.

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Oben am See angekommen hatten wir gerade die Stühle für die Brotzeit ausgepackt, als es zu regnen begann. Und dieser Regen sollte uns (wie erwähnt) die weiteren 10 Tage begleiten.
Unser nächstes Etappenziel war das ebenfalls entlegen in den Bergen befindliche Dorf Holtas, das nur durch den Fluss Devoll erreichbar ist. Der Wasserstand des Flusses hat eine Durchfahrt zunichte gemacht. Da es immer noch regnete und der Wetterbericht lediglich an der Küste Sonne versprach, haben wir kurzerhand die Route geändert und sind ans Meer gefahren. Ein schöner Nachmittag im Sonnenschein hat uns für diese Entscheidung belohnt. Bei köstlichsten Speisen in dem sehr schönen Hotel mit Meerblick, sind uns dann die Gegensätze deutlich geworden. Albanien ist wohl das einzige europäische Land, auf das alle reziproken Attribute zutreffen. Schön – hässlich sauber – dreckig, historisch – vermüllt,
ärmlich – westlich………

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Nun wollten wir in die historische Stadt Berat (Weltkulturerbe). Unsere Strecke führte uns über eine in der Karte eingezeichnete Hauptstraße, die 60 km durch die Berge führte. Für diese 60 km haben wir 6 Stunden gebraucht. Mehr als einmal haben wir den Atem angehalten und oftmals gehofft, dass kein weiteres Stück von der bröckeligen Straße abrutscht, die sehr einfach in die Berge geschlagen wurde.
Hier lernt man hoffen und beten.
Belohnt wurden wir mit einem hervorragenden Hotel in der Altstadt mit gediegenen Zimmern und sehr gutem Essen und Wein.
Ein Ziel das wir nicht erreichen? Also machten wir uns erneut auf nach Gramsh um durch das Flussbett nach Holtas zu kommen.
Wenige hundert Meter trennten uns im Flussbett noch von einem befestigten Weg. Aber dort lagen tausende von Medizinball großen Steinen, die wir einfach nicht überfahren konnten. Also mussten wir erneut eine Offroad-Niederlage einstecken und umkehren. Eine Situation, die T.S. nur schwer akzeptieren kann. Aber auch er war hier machtlos. (Hätte es ihn gegeben, T.S. hätte einen Bagger gemietet)
Die nächste Niederlage ereilte uns auf einer Pistenstraße, die in der Karte nur als Strich eingezeichnet war. Diese Piste war zwar schwierig, aber durchaus fahrbar. Wie erwähnt, regnete es täglich. Das hatte zur Folge, dass eine etwas steilere Abfahrt nicht ohne Risiko machbar war. Der dennoch erfolgt Versuch von Claus endete dann auch an Thomas seiner Seilwinde. Auch eine Alternativroute erschien uns letztlich unter dem Aspekt der steilen Abgründe als zu risikoreich.
Dennoch hatten wir Fahrspaß ohne Ende.
Anmerkung: Auf der gesamten Strecke, die wir durch Albanien gefahren sind, haben wir mehrere hundert Gedenksteine am Wegrand in den Bergen gesehen. Ein sicheres Zeichen, dass hier jeder Fahrfehler tödlich enden kann.
Unsere Rundreise endete in Pogradec, wo wir zu Beginn unserer Tour den Anhänger deponiert hatten. Während sich die beiden mitreisenden Fahrzeuge auf den Rückweg mit der Fähre nach Ancona machten, sind Claus und Renate mit dem leeren Anhänger am Haken zu ihrer Rückreise auf dem Landweg aufgebrochen.
Und hier noch ein Tipp: Wer eine echte fahrerische Herausforderung sucht, sollte bei strömenden Regen mit einem Anhäger in der Rushhour durch Tirana fahren.
Jeder hält, wo er will, auch in der dritten Reihe, jeder fährt los wann er will, die Fußgänger gehen wo sie wollen und die Verkehrszeichen sind nur grobe Empfehlungen. Grundsätzlich werden aus einer 2spurigen Straße 4 Spuren gemacht und vorwärts kommt nur der, der etwas wagt.
Von Albanien sind wir über die Grenze nach Montenegro, ein Stück durch Herzegowina, und immer auf der Küstenstraße durch Kroatien weiter gen Norden gefahren. Jetzt endlich hörte der vielbesagte Regen auf, sodass wir uns  entschlossen haben, noch ein paar Tage spärliche Sonne auf der Halbinsel Istrien zu genießen.
Über die AB ging es immer am Tempolimit „100“ + zurück nach Hause.
Eine erlebnisreiche Zeitreise mit sehr hohem Erinnerungswert, die wir vielleicht schon im nächsten Jahr im Mai wiederholen werden.
Fazit dieser Albanien Reise:
Grandiose Landschaften, nette Menschen, tolle Bergpassagen, schmale Pisten, steile Abhäge ohne Randstreifen, schlechteste Strassen, viel Müll, tollkühne und sehe alte Brücken, einsame und ärmliche Dörfer, schöne Hotes, gute und preiswerte Küche, Armut und Bescheidenheit, viel Historie und Wasserdurchfahrten ohne Ende.
Dass alles kann man nicht beschreiben und auch die Bilder geben die Eindrücke nur bedingrt weiter. Dieses Land muss man selbst spüren und erleben.
Alle Strecken, die wir gefahren sind, waren reguläre Straßen. Auch die Flussdurchfahrten.
Wer mehr erfahren möchte:
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Bilder unter "Albanien-Impressionen 2012
http://www.safaricar.de/index.php/bilder/category/30-albanien-impressionen-2012

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