Reisebericht Mongolei 2017

Fragt mich mein Nachbar: „Na, wie war Eure lange Reise?“
„Na ja, gut“ - "Erzähl doch mal!"
Hast Du 8 Stunden Zeit und einen Kasten Bier zur Hand, dann kann ich ja mal anfangen zu erzählen“.
Beim ersten Grenzübertritt nach Russland war ich schon nervös. Aber es ist alles sehr gut gelaufen.
Viele Zettel und noch mehr Stempel, aber alles korrekt und freundlich.
Im Laufe der Reise haben wir uns schnell an die kyrillische Schrift gewöhnt und konnten auch einzelne Worte entziffern.
Die erste Übernachtung direkt am Wolga-Strand war schon ein Erlebnis. Da unser Scout die Reise schon zuvor unternommen hatte, mussten wir nicht lange suchen,
um diese schönen Stellplätze zu finden. Die Anfahrt dorthin war aber mitunter abenteuerlich. Abbiegen auf eine Nebenstraße, zwischen Garagen durch,
über die Bahnschinen und dann einen Feldweg entlang. Und dann hatten wir herrlichen Sandstrand, auf dem wir direkt am Ufer unser Lager aufgeschlagen haben.
Leider hatte ein Teilnehmer schon bald einen schweren Verkehrsunfall. Wir haben dann 3 Tage für die organisatorische Abwicklung per Rettungsflug nach Hause benötigt.
Was da alles passierte, erzähle ich Dir später noch mal ausführlich.
Etwas mitgenommen, haben wir dann unsere Reise fortgesetzt. Noch 6000 km bis zum Baikal See – unserem ersten Etappenziel.
2 Wochen lang sind wir jeden Tag ca. 500 km gefahren. Das war zwar anstrengend, aber das wussten wir ja schon vorher.
Immer wieder haben wir schöne Stellplätze gefunden. In Russland ist das alles gar kein Problem. Du übernachtest einfach irgendwo an einem Fluss oder See.
Da gibt es überhaupt keine Probleme.
Der Baikalsee ist wirklich so schön und beeindruckend, wie er immer beschrieben wird. Wir haben eine Burjarten Familie besucht, das sind die Ureinwohner in dieser Region,
und haben Süßwasser Robben gesehen. Süßwasser Robben gibt es einzig im Baikal See.
Dann waren wir in der Mongolei und 7 Stunden vor Eurer Zeit. Ein komisches Gefühl, wenn die Uhr wieder eine Stunde vorgestellt wurde.
Zur Mongolei kann ich Dir nur sagen: „Sie ist einfach anders, als alle anderen Länder auf dieser Welt.“ Das Besondere ist aber sicherlich,
dass es dort keine geteerten Straßen gibt. Insgesamt sind wir fast 3.000 km auf Pisten gefahren.
Die haben dem Auto und dem Fahrwerk ganz schön zugesetzt.
Wir waren in der Wüste Gobi, die aber ganz anders ist, als die Sahara, waren in Karakorum, am Hüvsgül See und haben so ziemlich alles gesehen,
was man in den Reisebüchern so nachlesen kann.
Dann sind wir durch das riesige Kasachstan gefahren. Irre groß, dieses Land.
Von dort ging es weiter nach Usbekistan, entlang der Seidenstraße. Irgendwie hat man die orientalische Geschichte an den Bauwerken - Medressen und Moscheen – gespürt.
Samarkand kann man da wahrscheinlich hervorheben. Samarkand wurde vor Christus erst durch Alexander dem Großen zerstört und später noch mal von Dschingis Khan.
Wir sind dann mit unseren Autos auf den Grund des ausgetrockneten Aralsees gefahren, wo immer noch Schiffe liegen.
800 Kilometer ging es dann durch die Salz- Steppe. Sie liegt im Schnitt 35 Meter unter N.N.
Am Nordufer des Kaspischen Meeres hatten wir einen tollen Sonnenuntergang und haben im Wolga Delta die einzigen wildwachsenden Lotusblumen gesehen.
Historisch war danach der Besuch der Stadt Wolgograd, die besser bekannt ist als das ehemalige Stalingrad.
Von dort sind wir dann direkt nach Hause. Hat aber immerhin auch noch 1 Woche in Anspruch genommen.
Eine Menge Eindrücke, die man auf dieser Tour gesammelt hat und die man erst so nach und nach verinnerlichen kann.
Und, hat es sonst noch etwas gegeben?
„Klar“.
Erst einmal hat man in der Vorbereitung an die Anreise durch Russland an Sibirien gedacht. Und Sibirien assoziiert man mit Kälte.
So haben einige Mitreisende nur warme Sachen eingepackt. Aber in der Extreme hatten wir eine Woche lang 45 Grad im Schatten und im Auto über 50 Grad.
Da hatte die Kühlbox richtig viel Arbeit.
Wenn man 24.000 Km durch 80 Tage teilt dann weiß man, dass man im Schnitt jeden Tag 300 km fahren muss.
Und dann ist man jeden Tag von morgens bis abends mit anderen Menschen zusammen. 
Hattet ihr Pannen?“
Nun ja, zwischendurch hatten wir eine Phase, in der wir eigentlich jeden Abend geschraubt und gebastelt haben.
Zum Glück hatten wir einen Kfz-Meister dabei.
Buchsen waren ausgeschlagen und Stoßdämpfer gingen kaputt.
Es sind nicht nur Kabel gebrochen, auch die Halterung vom Kühler – eine daumendicke Metallstange- ist einfach gebrochen.
Zwei Mal mussten wir auch in eine Werkstatt und schweißen.
Bei einem Auto ist die Feder gebrochen und am anderen Fahrzeug die Platte, auf der die Batterie stand.
Die Vibrationen auf den mongolischen Pisten sind der Wahnsinn.
Hattet ihr auch nette Erlebnisse?“
Über positive Ereignisse könnte ich einen Roman schreiben. Überall nette und hilfsbereite Menschen. Irre, wie viele Menschen ein paar Sätze deutsch konnten.
In der Mongolei kamen immer wieder Einheimische zu uns ins Lager.
Irgendwann fragten sie uns ob wir etwas zum Abendessen haben möchten.
Na klar wollten wir. Nach 1 Stunden kamen sie wieder und servierten uns Nudeln mit Fleisch, für die wir dann umgerechnet 2 € bezahlt haben.
Da fällt mir noch etwas ein:
Wir waren ca. 50 km vor der Chinesischen Grenze und haben in einem kleinen Laden eingekauft. Als unser Scout die Lebensmittel ins Auto packen wollte stellte er fest, dass das Rohr an seinem Reserverad Träger gebrochen war.
Also wieder rein in den Laden und gefragt, wo eine Schweißer-Bude ist. Der Verkäufer kam mit auf die Straße, sah sich den Schaden an, öffnete das Tor zu seinem Grundstück und gab Zeichen rein zu fahren. Nach 1 Stunde hatte er das Rohr geschweißt. Wahnsinn. Oder?
Kurzum, es war eine schöne und erlebnisreiche Reise.
Und - danke für das Bier….“
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