back to the roots

Ein Wilderness-Camp "Alone in the wood" 

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Prolog:

„I have a dream“. Gemeinsam mit meiner Frau wollte ich für ein paar Wochen „Outdoor“ leben. Uns in Skandinavien im Wald an einen See zurück ziehen.

Wir haben es getan.

Die urzeitliche Höhle ersetzen wir durch das Dach-Zelt. Das Wasser entnehmen wir dem See, das Essen wird auf offenem Feuer zubereitet und das Brot selbst gebacken. Da ich nicht mit der Flinte durch den Wald laufen und ein Tier schießen kann, wird das Fleisch vorher eingelegt beziehungsweise in Dosen mitgenommen.

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Dieses „Zurück zu den Wurzeln“ ist also nicht zu 100% konsequent. Daher hat der Titel „Back to the roots“ auch den Untertitel: „Aber alles nur halb“, denn wir werden Nudeln, Reis und Kartoffeln mitnehmen, das Handy 1x pro Woche einschalten und einen Lagebericht an unsere Kinder senden. Wir werden eine Digital-Kamera benutzen, um unsere Erlebnisse aufzuzeichnen und auf dem Laptop abspeichern.

Dennoch wird alles ursprünglicher sein, als es sich zivilisationsgeschädigte Stadtmenschen überhaupt vorstellen können. Ich befürchte sogar, dass in 2 Generationen unsere Enkelkinder nicht einmal dieses „halbe“ Outdoor-Leben für sich organisieren können.

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Für die kurze Übernachtung vor der Fähre können wir im Autos schlafen und müssen das Dachzelt nicht aufbauen.

 

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Morgens um 7.00 Uhr stehen wir an der Fähre Rostock-Trelleborg. Am Nachmittag sind wir in unserem Ziel-Land „Schweden“. Wer in Schweden war, muss Elche gesehen haben. Wir besuchen Markaryd und sehen die Elche in ihrer natürlichen Umgebung.

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Von Smaland über Dalarna geht es nach Värmland.

Für das kleine Picknick dient der Kotflügel als Tisch

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Hier finden wir nach Kartenstudium und mit Hilfe von „Maps-me“ einen interessanten Platz. Wir sind von der Schnellstraße auf die Hauptstraße abgebogen und dann auf einer Nebenstrecke gefahren. Von dort auf eine Schotterstraße, die uns Kilometer um Kilometer durch den Wald führte. Kein anders Auto weit und breit.

 

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Von dieser Schotterstraße bog dann ein Feldweg ab, der direkt an einem See entlangführte.

Ein ziemlich schlecht erkennbarer und wenig benutzter Pfad führte zum Wasser runter. Ein Weg, den ein PKW nicht fahren könnte.

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Wir hatten unseren Traumplatz gefunden. Eine kleine Ausbuchtung war der perfekte Stellplatz für unsere Wilderness-Tage.

Vor uns der glasklare See, um uns herum nur Wald, besser gesagt Urwald. Im Umkreis von mehreren Kilometern lebt dort kein Mensch. Genau richtig für uns.

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Cave-Men ist vielleicht nicht die richtige Interpretation, aber ich fühlte mich irgendwie wie ein Höhlen-Mann. Das Dachzelt war unser Schlafzimmer, im Auto befand sich der Vorratsraum und die Küche und davor haben wir noch ein mückenfreies Wohnzimmer angebaut. Unsere „Höhle“ lag 10 Meter vom Ufer entfernt. Das Plätschern der kleinen Wellen war oft das einzige Geräusch, das wir kontinuierlich hören konnten. (Mal abgesehen vom eigenen Tinnitus) Gelegentlich hörten wir Flugzeugmotoren und sahen den Kondensstreifen. Vielleicht war es die Linie „Narvik-Oslo“ oder nach Stockholm.

 

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Wir waren allein. Die Welt lag friedlich vor uns. Ich setzte mich in meinen Campingstuhl und sah auf das Wasser. Wären dort nicht die Wellen gewesen, man könnte meinen, es sei ein Standbild, denn ansonsten bewegte sich nichts. Nun gut, die Sonne zog ihre Bahn. Aber sonst, nix.

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Das Wetter: Eigentlich muss man eine lange Hose und eine Jacke in Schweden immer anziehen. Nicht so in diesem Sommer 2018. Seit Mai hat sich das schöne Wetter über Schweden festgesetzt. Ganze 30 Liter Niederschlag gab es in den letzten 7 Wochen.

Die Trockenheit hat dann dazu geführt, dass die höchste Waldbrandstufe ausgerufen wurde. Offenes Feuer war absolut verboten.

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Für uns schade, da wir ja unsere Essen auf offenem Feuer zubereiten wollten, aber eine für uns nachvollziehbare Einschrenkung, die wir natürlich zu 100% eingehalten haben. (Die Medien haben ausführlich über die Waldbrände in Schweden berichtet)

Die Tage des Allein-seins begannen.

Diese Einsamkeit muss man natürlich nach der langen Anreise erst einmal verinnerlichen. „Wir sind hier ganz allein. Kein Mensch hier…. eigentlich benötige ich dann auch keine Badehose…..“

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Unseren Außenkanister haben wir mit Wasser aus dem See gefüllt. Dieser Behälter diente als Waschplatz. Zähne putzen, Haare waschen und Putzlappen ausspülen.

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Der Wasserkanister im Auto war reines Trinkwasser.

Das abgekochte Wasser haben wir in Flaschen gefüllt, in ein Netz gepackt und dann das Netz im See versenkt. Da der See aber relativ warm war, war der Erfolg eher gering.

Im Auto arbeitete eine Kompressor Kühlbox. Die wurde über unsere Solaranlage mit Strom versorgt, so dass wir frische Lebensmittel kühl halten konnten.

Auch wenn man bewusst darauf achtet, Müll fällt auch hier an. Da es in Schweden auch Bären gibt und zunehmend Wölfe, haben wir unseren Müll am Seil in einen Baum gehängt.

Wegen des Feuerverbotes hat sich die Beschaffung von Holz weitgehend überholt und wir mussten unser Essen auf dem kleinen Gaskocher zubereiten.

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Leider sind meine Künste in Sachen angeln und Fische fangen nicht besonders ausgeprägt. Somit konnte ich meine Frau nicht mit Frisch-Fisch versorgen und wir mussten bei Fleisch aus der Dose bleiben.

Irgendwie bekam unser Wilderness-Leben einen gleichförmigen Ablauf und es stellte sich so etwas wie Routine ein.

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Wenn man dann am Seeufer sitzt und darüber nachdenkt, ob die Wasser-Moleküle wohl wissen, dass sie irgendwann als Regentropfen wiedergeboren werden, dann ist es Zeit, in die Zivilisation zurück zu kehren.

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„Alone in the wood“ ein tolles Erlebnis. Wir würden es wieder machen.

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