Eine Geschichte, die inzwischen über 20 Jahre alt ist.
In Anbetracht der Tatsache, dass es "ihn" nun nicht mehr gibt, die kleine Story als "Memorian".
Die Defender-Story (Fröhliches schmunzeln)
Guten Tag,
gestatten, mein Name ist HE-CR 48. Sicher, für Menschen ein ungewöhnlicher Name – aber ich bin ja auch ein Auto. Konkret bin ich ein allradgetriebener Geländewagen.
Und ganz genau bin ich ein Land Rover Defender 90 TDI.
Warum ich das schreibe?
In ein paar Wochen werde ich 3 Jahre alt. Ein Defender wird mit
3 Jahren volljährig. Erst dann ist er ein richtiger Typ.

Und so fing alles an.
90 Vietnam5
Eines Tages, ich stand gerade in den ersten warmen Sonnenstrahlen im Mai auf dem Hof des Rover Händlers Palm, als mein jetziger Besitzer, Claus Ruhe erschien.
D.h. juristisch ist er ja gar nicht mein Besitzer. Er ist Eigentümer, denn alle Papiere, in denen ich in irgend einer Form genannt oder erwähnt werde, laufen auf seinen Namen.
Besitzerin ist nämlich im eigentlichen Sinne die Renate. Seine Frau. Denn zumindest von Montag bis Freitag fährt sie mich –fast – ausschließlich.
Manchmal sehe ich die fremden Menschen schmunzeln, wenn Renate mit mir (ich noch so richtig schön verdreckt – vom Weekend im Gelände)
in einem dunklen Kostüm zu ihrer Schule fährt und mit ihren hohen und polierten Hackenschuhen voran vom Fahrersitz herunter auf den Boden rutscht.
Richtig klein ist sie nicht, aber seit ich vor einem Jahr noch mal gewachsen bin hat sie dann doch ein paar ganz leichte Probleme mit dem ein- und aussteigen.
Aber, das muß ich hier ehrlich zugeben, über mein Wachstum hat sie sich eigentlich gefreut, denn die soeben beschriebenen Probleme hat sie erst,
seit ihr Mann auch noch die Trittbretter abmontiert hat.
Ich selbst fühle mich ohne Trittbretter viel wohler. Oder wie würdest Du Dich als erwachsener Mensch fühlen, wenn Dein Vater Dich immer noch mit Stützrädern am Fahrrad fahren ließe? Eben.
Aber der Reihe nach. Ich wollte ja erzählen, wie ich zu meinen jetzigen Besitzern gekommen bin.
Der Dialog zwischen dem Mann mit der Kaufabsicht und Boris ging etwa so:
„Ich habe jetzt 3 schlaflose Nächte gehabt. Habe gegrübelt. Jetzt reicht es mir. Ich will einen Defender“ hörte ich Claus sagen.
„Und wo liegt das Problem ?“ erwiderte der Verkäufer mit seiner bekannten und allseits geliebten schnoddrigen Art. „Da draußen stehen doch genug. Such Dir einen aus.“
Ich vernahm Schritte. Spürt gierige Blicke auf meinem jungfräulichen Lack und verspürte eine leichte, nicht unangenehme Erregung zwischen meinen Achsen. 
Dann ging er weiter. Aufgewacht bin ich, als ich die Worte: „Ich nehme den hier“, vernahm und eine warme Hand auf dem Kotflügel verspürte.
Das ging durch, bis in die Kardanwelle. Irgendwie war es wohl Sympathie auf beiden Seiten.
Ich will meine Enttäuschung hier nicht verbergen. Später, erst viel später habe ich durch Zufall erfahren, warum er mich genommen hat.
Claus hat eine typische Männerkrankheit. Er hat eine ROT-GRÜN Schwäche. Aber schwarz, ja schwarz kann er auch im Sonnenlicht erkennen.
Und ich bin schwarz. Ich habe den Schock inzwischen überwunden, denn er hat mich immer als seinen Freund und Partner behandelt.
Ganz stolz bin ich am 17.2.1998 gewesen. An diesem Tag wurde Claus nämlich 5o Jahre alt. Um 5.3o am Morgen kam er zu mir und wir sind dann dem aufsteigenden Morgen entgegen gefahren.
An einem bewaldeten Hang, mit Blick auf einen kleinen See sind wir stehen geblieben und haben gemeinsam beobachtet, wie das Tageslicht Minute um Minute die Dunkelheit der Nacht verdrängte.
Zurück zu meiner Geburtsstunde auf dem Hof von Palm.
Mein Verkauf wurde geschlossen.
Als die beiden den Platz verließen hörte ich nur noch aus der Entfernung die Worte des Verkäufers. „So kommt der mir allerdings nicht vom Hof“! 
Auch meine Defender-Freunde, die neben mir standen konnten diesen Satz nicht erklären. Was bedeutete das wohl? Etwas aufgeregt war ich schon.
Zwei Tage später, ich stand inzwischen in der Werkstatt und hatte das Tauf- und Namensritual schon hinter mir,
(bei uns Autos ist das der Augenblick, wo der Mann von der Zulassungsstelle den Stempel auf mein Namenschild klebt) kamen Boris und Claus zu später Stunde noch zu mir.
Zunächst haben die Beiden mir auf jeden Kotflügel ein tolles Riffelblech montiert. Ihr glaubt ja gar nicht wie froh ich darüber bin.
Alles, aber auch alles legen und stellen die OffRoader auf meine Kotflügel. Werkzeug, Bierdosen, die Thermosflasche und was ihnen gerade so einfällt.
Meine Kotflügel würde ohne diese Bleche heute aussehen, wie die Zellolitishaut einer übergewichtigen alten Frau.
Dann bekam ich einen Schnorchel. Ein richtiger Engländer raucht Pfeife. Und einen richtigen Defender ziert ein Schnorchel. So ist das nun mal im richtigen Leben.
Zum Schluß haben mir die beiden noch eine gebrauchte 3,5 to. Warn an die Stoßstange gehängt. Mein Gott, war das ein Akt.
Ich dachte schon, sie würden mit dem Schrauben, Bohren und Feilen nie fertig.
Jetzt wurde ich noch an allen 4 Seiten mit LANDROVER-Aufklebern verziert. Aufkleber sind eine heimliche Leidenschaft von Claus, aber das wußte ich damals noch nicht.
Eine Zigarette rauchend saßen die beiden dann auf der Werkbank und betrachteten zufrieden ihr Werk. Zufrieden war ich auch.
Es hat sich rumgesprochen:
Außer einem US-Pajero und einer alten Susi hat Claus jetzt noch einen Defender. Der erste, der die Glückwünsche aus der OffRoad-Szene überbrachte war Rambo.
Neben mir stehend nickte er zustimmend, als er mich eingehend beäugt hatte und fragte: „Wie alt ist er denn?“
Die kurze Antwort von Claus „5“.
„Mensch, für 5 Jahre sieht der aber noch top aus“ „Nicht 5 Jahre, sondern 5 Tage du Dösbaddel“
14 Tage später, wir Auto rechnen nicht in Jahr und Tag, sondern nach Kilometern,  also nach 6oo KM ging es zur ersten harten Geländetour nach Hoope.
Es war hart, denn ich habe mir dort eine schmerzhafte Beule zugezogen.
Wir standen an einem extrem schmierigen Schräghang und mein Reifenprofil – ihr Menschen würdet wohl Schuhsohlen sagen, hatte sich komplett zugesetzt,
so daß ich überhaupt keinen Halt mehr finden konnte. Langsam, ganz langsam bin ich dann gegen eine ganz kleine Birke gerutscht.
Aber die Berührung Alu gegen Holz hat mir doch eine kleine Beule verpasst. Juristisch lautet die Erklärung:
„Ein unabwendbares Ereignis“
In einem kurzen und schmerzfreien chirurgischen Eingriff hat mir Boris unter Zuhilfenahme eines Besenstiels die Beule entfernt.
Oder sagen wir fast. Im Sonnenlicht sieht man sie halt doch.
Aber es gibt ja auch Kleinkinder, die schon Narben haben. Oder?
Es blieb nicht die einzige Beule. Aber diese war hat die erste, und sie geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war.
Da mache sich auf auch Josef, aus Galilea mit Maria, seinem angetrauten ..........
oh, shit, jetzt bin ich komplett in eine andere Story gerutscht.
Ich heiße nicht Maria, Josef oder Jesus. Ich bin auch froh, dass man mich nicht „Große Donnerkiste, die mit Gebrüll aus dem Busch bricht“, sondern Defender genannt hat.
Lieber Claus, Du hast mich gestoßen, getreten und gesteinigt - mich Staub fressen lassen, hast mich durch den Dreck geprügelt und Zigaretten auf mir ausgedrückt – gib mir mehr.
Aber bitte, mit verschränkten Beinen, 1o Tage auf der Messe ABF in Hannover, mußt Du mich nicht noch einmal ausstellen.

Schön, ein bisschen stolz war ich schon, betrachtet zu werden, aber dieses Gefühl in den Bereich der abendlichen o19o...Telefon - Werbung abgedrängt zu sein war doch unangenehm.
Stell mich lieber im Wald ab und lass mir den Rauch von qualmenden Lagerfeuer um meinen Schnorchel kreisen.

Das ist meine Welt, das ist unser Leben.
Und noch etwas: Es geht um meine jüngeren Brüder, die TD 5‘s. – Mach kein Scheiß, behalte mich.
 
Dein Defender 9o TDI
 
FORTSETZUNG FOLGT NICHT:

Sonst würde aus dieser Liebeserklärung eine „unendliche Geschichte werden", denn im Jahre 2018 fahre ich immer noch einen Defender.

Mein aktuelles Reise Auto:
Defender 110 TD5 Baujahr 2006 aktueller Kilometerstand 220.000 km 
Mit diesem Auto waren wir 2 x Mongolei-Seidenstraße
Russland / Wolgograd/Stalingrad
Polen (nehrfach) 
Albanien 
Tunesien

DefSand

 

 


 

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