Von Ilawa (PL) bis Jihlava (CZ)
Die 3 Suizidversuche eines englischen Autos (Discovery 2)

dsc08948

Start nach Polen:
Alles lief nach Plan. Bis Thomas B. auf der Autobahn nach Berlin über Funk bekannt gab, dass sich mein Dachzelt etwas sehr hoch aufbläht."Das kostet Dich bestimmt 2 Liter Sprit" war sein Kommentar. Wer will das schon?
Also bin ich beim nächsten Stopp aufs Autodach gestiegen und wollte die Zurrgurte neu befestigen. Erst waren sie verklemmt, dann gaben sie mit einem Ruck nach. In einer 1000stel Sekunde war mir klar, dass ich jetzt kopfüber auf dem Beton aufknallen würde.Und wer will das schon.
Im letzten Moment habe ich mich, bereits fallend,  noch abgestoßen. Das hat zwar weitgehend geklappt, ich bin aber ziemlich deftig mit vollem Gewicht auf dem rechten Bein gelandet. Vom Knöchel über  das Knie bis zur Hüfte war alles gestaucht.
Wie sehr, das habe ich erst am Abend gespürt, als ich Renate bitten musste, mir die Socken aus zu ziehen. Anmerkung: Jetzt nach 4 Wochen geht es schon besser - ist aber noch längst nicht gut. (Die Russland-Tour muss das Bein noch durchhalten. Dann kann sich der Doc das mal ansehen) The Show must go on........

Bei eisiger Kälte hat sich das Team "Ostsee-Masuren" dann am Himmelfahrtstag auf dem Campingplatz in Chaplinek getroffen. Am nächsten Tag kam die Sonne heraus und wir fuhren an die Ostsee, wo wir die Sanddüne bestiegen haben. Das Cläuschen lahmte eher über die Sanddüne. Zurück am Parkplatz stellte Thomas B. mit Schrecken fest, dass sein Handy weg war. Wir recherchierten und handelten. Zurück zur Sanddüne, suchen, seine Nummer anrufen... und plötzlich meldete sich eine fremde Stimme. "Ja, wir haben ihr Handy im Sand gefunden". Den Part haben wir gemeistert.

Natürlich haben wir am Abend erst einmal in dem Kaschuben Dorf Kluki eine Ente mit Füllung gegessen, bevor wir uns von den Himmelfahrtsteilnehmern getrennt haben.
Dann ging es zur Westernplatte, wo die ersten Schüsse fielen, die den 2. Weltkrieg eingeläutet haben. Dann zum Schiffhebewerk, wo die Boote mit der Lore über den Berg gezogen wurden. In der Basikika "Heilige Linde" haben wir ein fantastisches Orgelkonzert erleben können. Dann kam der Besuch der Festungsanlage Wolfsschanze. Es war heiß.

"Fortuna lächelt, doch will sie uns nicht ganz beglücken - schenkt sie uns einen Sommertag, so schickt sie uns auch Mücken"

Soweit das Zitat. In der Praxis hieß das, dass wir allesamt unter der kurzfristigen Sommerhitze und unter Mückenstichen litten. Der Spruch eines Teilnehmers: "Heute haben es die Mücken schwer, noch eine Stelle an meinem Körper zu finden, an dem noch kein Stich ist". So schlimm war es natürlich nicht. Trotz der Moskitos hatten wir einen schönen Sommerabend, an dem eine Rotte Wildscheine direkt an unserem Lager vorbeizog. Mehr als wir, litt der Hund unter der Hitze und den Mückenstichen, so dass sich sein Herrchen entschloss, die Heimreise anzutreten. Wenn man gegen die Hitze 2 Bier trinkt, dann wird man faul. So überlegte der große Pätzi, ob er jetzt noch duschen geht, oder dieses Ritual auf den nächsten Morgen verschiebt.  Gemeinsam beschlossen wir, gleich noch unter die Dusche zu steigen. Obwohl Pätzi insgesamt etwas mehr Körper zu waschen hatte, war er schneller fertig als ich und verließ somit als erster den Duschraum. Die Geräusche, die ich von draußen vernahm hatte ich zunächst den Jugendlichen vor der Tür zugeordnet. Bis ich stöhnen hörte. Pätzi war mit seinen nassen Badeschuhen auf der gefliesten Treppe ausgerutscht und hat sich 2 oder 3 Wirbelfortsätze angebrochen und eine heftige Platzwunde am Ellenbogen. (Den Wirbelanbruch hat er erst 1 Woche später von seiner Ärztin diagnostiziert bekommen) Jedenfalls war unser Erste Hilfe so wirkungsvoll, dass er die Tour zu Ende fahren konnte. Dazu gehörte u.a. der Besuch einer Pyramide mit enthaupteten Skeletten und eine Bootsfahrt auf einem Masuren-See.
Beim Tankstopp in Ilawa  stellten wir fest, dass Diesel aus meinem Disco ausläuft ausläuft. Die Ferndiagnose kam vom LandRover Doktor Peter  per Telefon aus Wolfsburg.
Dieselleitung durchgescheuert. Bis zu einer Kfz Werkstatt waren es nur 5 Kilometer. Die Mechaniker konnten helfen. Allerdings wollten sie den ganzen Tank ausbauen, um an die Leitung zu kommen. Erneuter Anruf bei Peter (der kommt ursprünglich aus Polen)
Der erklärte dem verdutzten Mechaniker, wie man an die Leitung kommt. "Und den Tank musst Du auch nicht ausbauen. Einfach eine Sete lösen. Das Auto hat ja eine AHK, da liegt der Tank dann sicher auf." Das war zu viel. Wie wollte jemand aus Wolfsburg wissen, dass dieses Auto eine AHK hat. Peter erklärte, dass er dieses Auto ständig in der Wartung hat. Der Bann war gebrochen. Nach 1 Stunde war der Schaden behoben. Die Kosten mit 50,-- € relativ günstig. Noch ein paar Hügel rundfahren und in der Burg von Lagow das Abschiedsessen genießen. Dann ging es zurück.
Auf der Autobahn - es war immer noch Sommerwetter - verabschiedete sich meine Klimaanlage und anschließend leuchteten die Kontrolllampen für ABS und TC.

dscf6560
In der Werkstatt:
Ein Anruf in der Werkstatt meines Vertrauens. Pjotr sagte:" Komm gleich vorbei." Bis auf das Wochenende war ich dann jeden Tag bis zur Abreise nach Rumänien bei Ihm.
Erste Diagnose. Der Sensor für ABS ist ausgefallen. Kein Problem.  Der Blick in den Motorraum bescheinigte uns, dass der Propeller an den Enden Sägezähne aufwies. So, als hätte ein Hai sie im Maul gehabt. Ohne Erklärung. Dann zur Klimaanlage. Erst als wir die Verkleidung abgebaut hatten sahen wir, dass die ca. 10 cm große Magnetscheibe  abgefallen ist. Glück im Unglück. Sie lag noch im Motorraum und hat nur den Ventilator zerfetzt und ist nicht durch den Kühler geschossen. Nachdem wir pö a pö alle Schäden repariert hatten, ging es zur obligatorischen Durchsicht, die Peter vor jeder Reise an meinem Auto macht. Zum Schluss mussten wir registrieren, dass das Radlager einen leichten Schlag hat. Lieber noch reparieren, bevor es in Rumänien Probleme macht.
Die Reise nach Rumänien:
Glücklich über die Instandsetzung starteten wir unsere Reise nach Rumänien. Kurz hinter der Grenze leuchteten die Kontrolllampen wieder auf. Okay, damit kann ich leben. Inzwischen hatten wir uns mit Jörg und Birgit getroffen. Gemeinsam ging es weiter.
Mitten in Tschechien wollte der Wagen irgendwie nicht beschleunigen. Dann qualmte er. Erst mal sind wir auf den nächsten Parkplatz gefahren. Im Motor war nichts zu sehen, Okay, fahren wir weiter. In Györ (Ungarn) warten die anderen Teilnehmer. Da wird jemand Ahnung haben. Nach 20 Metern Fahrt war mir klar. Hier geht nix mehr.
Das Handy wurde dann zu meinem Kommunikationspartner Nummer 1.
Erst mit Peter und Thomas sprechen. Vielleicht haben die eine Vermutung..
Die Ferndiagnose war vielfältig. Könnte der Turbolader sein oder der Luftmengenmesser. "Schau nach dem Öl", vielleicht Kolbenfresser. Dann der Anruf bei dem Auto Club meines Vertrauens. 1 Stunde in der Sonne warten, dann war der Abschlepper da.
Bevor es in die Werkstatt ging, haben wir Jörg und Birgit unsere Reisemappe gegeben. Im Extremfall hätte mit diesen Unterlagen mein Partner Ralf die Tour fahren können, ohne dass wir dabei sind. Schließlich war das eine Situation mit offenem Ende.
In 12 Jahren, die wir Touren fahren, ist so etwas zum ersten Mal passiert. Obwohl ich ja alles in der Werkstatt habe machen lassen. Die Sprachprobleme waren groß. Dennoch konnte ich mich durchsetzen und kam dann auch in eine versierte Landrover Werkstatt in Ihlava.
Ihlawa liegt sehr schön im Grenzgebiet zwischen Böhmen und Mähren. In einem Hotel, das früher ein Kloster war, haben wir sehr gut genächtigt. Hier hat einst der Komponist und Musiker Gustav Mahler gelebt. Am anderen Morgen in der Werkstatt schwankten wir stündlich zwischen Hoffnung und Depression. Nach 4 Stunden gab es die "Erlösung".
Die Feder im 3ten Ventil ist gebrochen.

dscf5552
Der Schaden ist zu beheben, wenn wir bei der Reparatur keine weitere Beschädigungen feststellen. Dauert aber bis Donnerstag. Heute ist Freitag. Also 1 ganze Woche. Überlegen und checken, was wir nun machen. Mit der Reisegruppe telefonieren und mit dem ACE.
Dann war klar. Wir besorgen uns einen Mietwagen und fahren dem Team nach Orsova hinterher. Thomas C. und Andreas sind Einzelfahrer. Haben also je 1 Platz im Auto frei. Nun ging es daran, nur das Notwendigste aus dem Disco zu nehmen und in den kleinen Skoda Fabia zu packen, den wir uns gemietet hatten.
Mit einem Tag Verspätung waren wir bei unseren Leuten und konnten so die Reise wie geplant durchführen. Renate bei Thomas hat navigiert und ich hatte "fast" frei.  3 Tage noch bei Ralf und dann weiter durch Siebenbürgen, das man ja auch Transsylvanien nennt.
Einzige Änderung war, dass wir den letzten Tag noch mal in Orsova verbringen mussten, sodass ich mit dem dort geparkten Mietwagen die Rückreise antreten konnten. Noch einmal hat sich die ganze Reisegruppe in unserem Hotel in Györ getroffen. Dann trennten sich unsere Wege. Wir fuhren weiter nach Jhilava und übernachteten noch mal im Hotel Gustav Mahler. Schon um 8.00 Uhr waren wir am Montag in der Werkstatt. Unser Auto stand im Schaufenster. Das Lächeln des Meisters und sein Kopfnicken verrieten uns, dass der Wagen fertig ist. Es sind keine weiteren Schäden zu Tage getreten und die Reparaturkosten, die ja immer schmerzen, beliefen sich mit knapp unter 1000,- € in einem Rahmen, wo man sogar noch froh ist. Hätte schlimmer kommen können.
Jetzt nach Hause? Nein. Nun gönnen wir uns noch ein paar Tage in Tschechien. Hier konnten wir uns auf einem fast leeren Campingplatz im Böhmer Wald  von all den Aufregungen der letzten Tag erholen. Mal wieder ein Buch zur Hand nehmen und nicht immer nur daran denken, was mit dem Auto ist. Die Weiterreise zu unseren Kindern nach Krefeld hat er prima gemeistert. Er lief gut. Eigentlich wie immer. Aber die Angst fuhr zumindest auf den ersten Kilometern mit. Verständlich. Oder?
Im Kalender stand nun, dass dieses Kartoffelevent im Sauerland anstand. Also von Krefeld gleich nach Winterberg. War wirklich toll dort.
Dann ging es endlich nach Hause. Mal wieder im eigenen Bett schlafen.
Die vergangen 40 Tage haben uns durch Polen geführt. Dann waren wir 9 Tage zu Hause. (davon habe ich 6 Tage in der Werkstatt verbracht) Die nächsten 18 Tage fuhren wir durch Tschechien, Slowenien und Ungarn nach Rumänien. Von Bayern dann nach NRW.
Nun haben wir noch 4 Wochen mit relativ wenig Terminen, dann startet das Team „Wolgograd“ zur seiner Russland Tour, die uns bis ans Kaspische Meer führt.
Das wird dann der nächste Erlebnis Bericht.
  
 

Zum Seitenanfang
feedback
<<  Dezember 2018  >>
 Mo  Di  Mi  Do  Fr  Sa  So 
       1  2
  3  4  5  6  7  8  9
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31      
x